Was ist ein Landsknecht?

Der Begriff Landsknecht beschreibt die „ in kaiserlichen Landen angeworbenen Fußsöldner“ zwischen dem späten 15. Jahrhundert und dem Ende des 16. Jahrhunderts. Der Name ist eine Prägung, um die Landsknechte von ihren schweizerischen Vorbildern (den Reisläufern) abzuheben und hat nichts mit dem Begriff Lanze zu tun, auch wenn die Bezeichnung Lanzknecht als Verballhornung auftaucht.
Gegen die Deutung als Lanzknecht spricht, dass die Lanze ursprünglich eine germanische und keltische Wurfwaffe war, deren Name erst im Laufe des Hoch- und Spätmittelalters sinnwidrig auf den Reiterspieß übertragen wurde . Gerade im deutschsprachigen Bereich, also den kaiserlichen Kernlanden, erhielt sich aber für den Reiterspieß die korrektere Bezeichnung Reißspieß. Reiß leitet sich vom frühneuhochdeutschen reise, rais(e), rayß oder reis ab und bedeutet Heeres-, Kriegs- oder Beutezug . Dieselbe Wurzel liegt auch dem schweizerischen Begriff Reisläufer zugrunde, also sinngemäß übertragen „jemand, der zu Fuß auf einen Kriegszug geht“.
Zur Verwirrung trägt allerdings bei, dass der Name reisspieß allgemein auf den Spieß der Reisigen und nicht nur spezifisch auf den Reiterspieß angewendet wird .

Die Grenzen der kaiserlichen Lande verlaufen um 1550 im Westen etwa entlang einer Linie Calais – Verdun – Lyon – Nizza, im Süden quer durch Norditalien, dabei Florenz ein- und Bologna und die Po-Ebene ausschließend, im Osten etwa entlang einer Linie Triest – Krakau – Breslau – Danzig und im Norden quer durch die dänische Halbinsel auf einer Höhe zwischen Kiel und Flensburg . Die Schweizer Eidgenossenschaft ist geographisch aus diesem Komplex also kaum auszugrenzen; ganz im Gegenteil liegt sie geradezu mittig in den kaiserlichen Landen.
Auch wenn die Eidgenossenschaft sich ab der Schlacht von Morgarten 1315 praktisch zu einem Bündnis souveräner Stadtrepubliken entwickelte, blieb sie rechtlich ein Teil des Heiligen Römischen Reiches . Eine genaue Beschreibung der politisch-territorialen Entwicklung des Heiligen Römischen Reiches zur Zeit der Landsknechte würde notwendigerweise einen bedeutenden Umfang annehmen und ist hier für unseren Zweck nicht erforderlich. Zweierlei ist allerdings zu beachten:
Erstens ist das Heilige Römische Reich nicht allein auf den deutschen Sprachraum begrenzt, auch wenn deutschsprachige Landesteile die Mehrheit bilden. In der Konsequenz kann das Landsknechtswesen nicht als rein deutsches Phänomen betrachtet werden.
Zweitens sind die Reisläufer als Vorbilder der Landsknechte (und in der Tat Ausbilder der ersten Landsknechtsregimenter) nicht Verteidiger der Eidgenossenschaft, sondern Söldner, die fremden Interessen dienen, solange diese nicht mit denen der Eidgenossenschaft kollidieren.

Die Entwicklung der Landsknechte verläuft in Nachahmung und Abgrenzung zu den Reisläufern. So ist es nicht verwunderlich, dass die erste urkundliche Erwähnung des Begriffs Landsknecht 1486 in der Eidgenossenschaft erscheint. Der Schweizer Konrad Gächuff behauptet dort in einer Schmähschrift, er zöge es vor, „Schwaben oder andere Landsknechte“ zu bewaffnen und auszubilden, da sie doppelt so viel wert seien, wie die Schweizer .
Urheber und bedeutender Förderer der Landsknechte war Kaiser Maximilian I. (1459 – 1519), dem die Überlieferung sowohl den Titel „Vater der Landsknechte“, als auch „der letzte Ritter“ zumisst. Diese beiden Titel stehen in enger Abhängigkeit.
Der Ruf, den die Schweizer genossen, hatten sie sich verdient, indem sie wiederholt mit ihren Infanteriehaufen feudale Reiterheere besiegt hatten. Maximilian, der sich in gewissermaßen nostalgischer Weise in den ritterlichen Tugenden übte, war klug genug, um auf die solcherart veränderte militärische Situation mit der Einrichtung eines alles andere als traditionellen Heereswesens zu reagieren. So stellen die Landsknechte einen Übergang zwischen der ritterlichen Kriegsführung des Mittelalters, deren Kernelemente Feudalismus und individuelle Tapferkeit waren, und der modernen Kriegsführung mit strukturierten Massenheeren dar.

Die Bewaffnung der Landsknechte bestand charakteristischerweise in langen Stangenwaffen, meist Piken und Hellebarden, die dem Hauptfeind, der Kavallerie, widerstehen konnten. Überhaupt haben lange Waffen den Vorteil, dass mehrere Glieder zugleich an den Feind kommen, was die Effektivität der Infanterie merklich verbesserte.
Kombiniert wurden die Stangenwaffen mit solchen, die gegen einen feindlichen Infanteriehaufen nützlich waren; etwa den kurzen Katzbalgern und den langen Zweihandschwertern.
Das Ende der Landsknechte in militärischer Hinsicht liegt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als die rasche Entwicklung der Pulverwaffen Pikenhaufen obsolet machte. Auch der Begriff Landsknecht ging in dieser Zeit verloren und wurde durch „kaiserlicher Fußknecht“ ersetzt.

Der Begriff Landsknecht lässt sich also verschieden eingrenzen:

Zeitlich beschreibt er eine militärische Truppengattung, die für ein knappes Jahrhundert zwischen dem Ende des 15. und dem des 16. Jahrhunderts existierte.
Militärisch beschreibt er Söldnereinheiten aus den kaiserlichen Landen, die als Infanteriehaufen mit Stangenwaffen, insbesondere langen Spießen, ins Feld zogen.
Historisch stellt er eine Übergangserscheinung zwischen mittelalterlich-feudaler Kriegsführung und modernen Massenheeren dar, die sich in Abhängigkeit von und in Konkurrenz zu den schweizerischen Reisläufern bildete.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Was ist ein Landsknecht?

  1. eine kurze Zeit hatten sie… die Landsknechte.

  2. Athanasius Frost

    Im Vergleich zu wem?

    Aber du hast natürlich Recht. Die Kavallerietaktiken der Ritter haben ohne wesentliche Veränderungen um die 500 Jahre bestanden. Eines der Hauptprobleme der Mittelalterdarstellung (besonders im LARP) bleibt, dass wir keine Pferde einsetzen können. Und auf einmal sind Ritter raus und Landsknechte bilden die beste Alternative…

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