coitus vitandus

Heuer erhielt ich vom (anzüglich grinsenden) Oberpostauslieferer ein unauffällig in blaue Glanzfolie verpacktes Schriftstück. Ein weithin bekannter Versandhandel für diverse, dem Geschlechtsverkehr zuträgliche Artikel beehrte sich, mir einen Katalog seiner neuesten Kollektion zukommen zu lassen. Mit den besten Empfehlungen.
Nun, wenn man seine Nachbarn erst einmal mit Schwertkampfübungen auf der Straße abgehärtet hat, kann auch so ein Umschlag die öffentliche Meinung nicht wesentlich weiter ins Negative verschieben; ich studierte also mit ruhigem Gewissen die Angebote.

Reizwäsche für die Dame – nichts Neues; seit 100 Jahren scheint sich in diesem Sektor nichts Bemerkenswertes getan zu haben.

Reizwäsche für den Herrn – kommt nicht vor.

Dokumentarwerke über die Fortpflanzung höherer Primaten – detailreich, umfassend, erstaunlich homogen in den Inhalten und stets verbunden mit dem Hinweis, dass hier kein Inzest unter nicht vollständig ausgewachsenen Exemplaren gezeigt wird. Da habe ich bei Heinz Sielmann schon Verruchteres gesehen.

Lustige, bunte, vielgestaltige Gummiartikel – ich frage mich bei ihrem Anblick jedes Mal, was man uns beim Aufklärungsunterricht in der Schule noch an anatomischen Seltsamkeiten vorenthalten hat. Und warum die junge, attraktive Frau auf dem Foto ihren ebenso attraktiven männlichen Partner mittels eines eigentümlich ausgestatteten Gummischlauches beglückt. Wahrscheinlich hat sie eine hochgradig ansteckende Infektion oder so was.

Erotische Wohnaccessoires.

Ja, der Leser liest richtig: Erotische Wohnaccessoires.
Ich war auch sofort fasziniert. Seit meine Feng-Shui-begeisterte Bekannte Corinna mir die Einwirkung der Wohnung auf mein Leben dargelegt hat (und mir geraten hat, den Klosettdeckel geschlossen zu halten, auch wenn ich ein offenes Klosett einladender finde), habe ich mir über die Zusammenhänge zwischen Sexualität und Wohnen Gedanken gemacht. Offenbar war ich da nicht allein; die Höhepunkte des Katalogangebotes finde ich so bemerkenswert, dass ich mich entschlossen habe, sie mit dem Teil der Öffentlichkeit zu teilen, der auf sein Ansehen bei den Nachbarn noch Wert legt:

beate004Die erotische Wirkung dieser Lampe besteht möglicherweise darin, dass man sie sofort ausschaltet und die Rolladen herunterlässt, um sie nicht mehr sehen zu können. Eine subtile und geschmackvolle Hinführung zu Tätigkeiten, bei denen man mit dem Tastsinn auskommen kann. Obendrein umweltschonend, weil energiesparend!

beate005Für die Liebhaber alter Schule, die auch im Zeitalter von Viagra immer noch auf die Wirkung von Tigerhodenextrakt und Nashornpulver setzten. Ein besonders intensives erotisches Erlebnis ist bei gleichzeitiger Verwendung als Duftlampe möglich: Einfach Fell nassmachen und 100Watt-Birne einsetzen. Der schwüle Dschungelgeruch nach nasser Katze macht auch die kühlste Partnerin zum Tier.

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beate001Das perfekte Candlelight-Dinner wird viel zu oft von geschmacklosen Gewürzstreuern verdorben. Aber Rettung naht; sei es Modell A mit seiner diskreten Andeutung zur Gestaltung des späteren Abends,

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beate002oder Modell B, mit dem der gewiefte Kavalier seiner Dame ein Kompliment machen kann, das in Worten zu ungehörig wäre,

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beate003oder Modell C für den selbstbewussten Mann, der sich auch in der Flirtphase der Beziehung nicht scheut, das Thema Familie positiv anzugehen.

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Bestellt habe ich mir dann allerdings das hier:

beate006

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Zungenschlag

4 Antworten zu “coitus vitandus

  1. Maidlin

    Hilfe! kaum ist man mal ein paar Wochen weg, schon passieren zu Hause schlimme Dinge!

    Waren dir die Telefonkosten zu hoch, so dass du deine weibliche Mitbewohnerin jetzt auf diese Weise von der uebermaessigen Benutzung kostenpflichtiger Kommunkationsmittel abzuhalten versuchst?! Sicher haette es weniger Sehkraft und psychische Gesundheit gefaehrdende Wege und Mittel gegeben (Stecker ziehen, Telefon zerstoeren, Telefonrechnung nicht bezahlen, oder einfach mal WAS SAGEN…). Aber warum einfach, wenn’s auch schmerzhaft geht? Maenner…

    P.S.: Gibt es sonst noch etwas, dass du mir beichten willst, solange ich zu weit weg bin um dich dafuer zu schlagen, lieber Athanasius?

  2. Winnetouch von Puder Rosa Ranch

    Du, Maidlin, Schatzilein des eine kann i Dir sagen:
    I war zwar da, aber schuld war i net, gell! Tse, tse, Prosecco ham’mir net getrunken, auch net auf Blutsbruderschaft und so’n Kram, neeee!
    Hab Deinem Athanasius noch nen paar Bilder vom Silberschatz im Tscheytal gegeben, damit wir das überhaupt im August wiederfinden, und nehmt bloß die fesche Kotztüte mit, falls die Schaggline wieder zu schnell unterwegs ist… für die feuchten Turbulenzen… 🙂

  3. northbohemian

    Ich werde mein Grinsen nicht wieder los: „Einfach Fell nassmachen und 100Watt-Birne einsetzen …“

  4. 🙂 wieso bekomme ich nicht so eine Post?

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