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Textulenz No.5: Lieber unmündig als unwürdig.

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Texte gestalten die Welt. Besonders die Welt von Leuten, die nicht lesen. Denk nur an die Thora, die Bibel, den Koran. Oder das Schulgesetz von Nordrheinwestfalen: §2, 2: „Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.“
Schon beeindruckend, wie dich religiös geschürte Angst zu einem besseren Menschen macht. Dochdoch! Darin sind wir uns schließlich alle einig! Sogar die CDU und der IS. Die diskutieren nur noch über das richtige Maß der Furcht, Und denk mal: Früher, in weniger erleuchteten Zeiten hätte man dich nur aus deiner selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien wollen.

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36 Stunden Harz – Der Reise zweiter Teil

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Die Geschichte von der Teufelsmauer

Im Paradies, drei Wochen nach der Schöpfung. Wie an jedem Samstag Abend sitzen Herrgott und Teufel über den Karten und ärgern sich darüber, dass Adam kein Talent zum Skat hat; der verflixte, glotzäugige Naivling hat das Wesen der Ehe immer noch nicht begriffen.

„Lass ihn doch mal vom Baum der Erkenntnis kosten!“, schlägt Luzifer vor.

„Nix da!”, gibt der Herrgott mit säuerlicher Miene zurück, “dann fängt er an zu spielen, zu saufen und zu huren, du kriegst seine Seele und die ganze Arbeit mit dem Scheiß-Paradies war umsonst. Wir legen weiter Streit-Patiencen. Basta!“

„Womit?“, fragt der Satan.

„Wie: Womit?“, gibt Jehova streitlustig zurück.

„Womit soll Adam huren? Außer Eva und seiner Ex-Frau ist doch niemand da.“

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Der liebe Gott wird rot. „Er könnte, na ja… die Tiere sind hier ja sehr zahm und da ist dieses Orang-Utan-Mädchen… du weißt schon, das rassige, rothaarige… und überhaupt, was geht dich das an? Meine Welt, mein Himmel, mein Paradies. Ich hab zu bestimmen, nicht du.“

„Du hast eine kranke Phantasie.“ Beelzebub schüttelt sich angewidert. „Und außerdem ist es nicht allein deine Welt. Ich hab da auch Anteile.“

„Ach ja?“, höhnt der Allmächtige, „Welche denn?“

„Mindestens die Hälfte. Sonst wird das mit dem freien Willen nichts, weil alle nur dir gehorchen können. Es ist auch unfair, mir nicht die gleiche Chance zu geben.“, nölt der Böse und schiebt nach einem kurzen Blick ins Antlitz von Gottvater zweifelnd hinterher: „Wir hatten Gütertrennung vereinbart, weißt du noch?“

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Mit maliziösem Grinsen tippt der Schöpfer auf die Weltkarte an der Wand. „Ja,ja. Ich hab mich aber dazu entschlossen, die Sache mit dem freien Willen und so erst mal versuchsweise in kleinem Maßstab auszuprobieren. Siehst du den Harz da?“

„Es heißt „das Harz“.“, muffelt der Verderber der Seelen.

„Nein, ich meine den Felsrücken hier, direkt an meinem Fingernagel.“

Mit zusammengekniffenen Augen späht der Herr der Fliegen auf die Karte und den göttlichen Finger. „Äh… ja, da. Sehe ich. Was ist damit?“

Adonais Lächeln wird huldvoll: „Das ist deins.“

„Is´ nicht dein Ernst, oder?“

„Wenn du noch heute Nacht eine Mauer drum ziehen kannst, die meine Schöpfung garantiert vor deinen üblen Machenschaften bewahrt. So sechzig Meter hoch, würd´ ich sagen.“, fährt der Herr der himmlischen Heerscharen fort. „Bevor der erste Hahn kräht, solltest du fertig sein. Husch, husch!“

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Der Fürst der Finsternis schüttelt fassungslos den Kopf, lässt das Pik-Ass fallen, das er gerade legen wollte und rennt ohne Hut aus dem Haus. Augenblicke später taucht er mit Maurerkelle und Speißbütte am Rand des Harzes auf und krempelt die Ärmel hoch. Und er kann schuften, wenn er muss! Rumms, da steht der erste Abschnitt. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!“, schreit er das Publikum aus besorgten Nachttieren an, die sich in der Nähe des Bauplatzes versammelt haben. Sie fliehen. Rumms, da steht der zweite Abschnitt. Wenn er in diesem Tempo weiter macht, schafft er den kompletten Harz und noch ein gutes Stück dazu.

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Aber dem Allmächtigen kommt man durch Arbeit allein nicht bei. Er zieht ein hübsches Kleid an, stopft es mit einem Kissen und zwei Kürbissen strategisch aus, legt ein großes Kopftuch an, um den Heiligenschein zu verdecken und klemmt sich einen Korb mit einem süß schlummernden Hahn darin unter den Arm. „Trallali und trallala“, summt er mit Fistelstimme, „ich bin nur eine einfache Bäuerin auf dem Weg zum Markt, wo ich meinen Hahn verkaufen will, trallali und trallala.“

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Schwupps, taucht der erste Transvestit der Welt unter dem Absperrband der Baustelle durch; huch, ignoriert er die blinkenden Warnbaken und das Schild „Verpiss dich, Devil at Work!“ und uuups, stolpert er über eine Gerüststange. Der Hahn im Korb fliegt im hohen Bogen und landet spritzend im Mörtel. Empört über solcherlei Misshandlungen fängt er an zu schreien: Kikerikieh!
Der Höllenfürst lässt die Mauerkelle fallen und dreht sich um. Da liegt eine lachende, bärtige Bäuerin in einer Pfütze aus Kürbismus und ein Hahn versinkt langsam, aber laut krähend im Mörtel.

Tja, und so ist die Teufelsmauer entstanden.

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Ein Kommentar

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Definiere: Hölle.

J.-P. Sartre: „Die Hölle, das sind die anderen.“

A. Bierce: „Hölle, die – Residenz toter Lexikographen.“

A.C. Frost: „In der Hölle regnet es ständig. Von unten.“

Und was meinen meine werten Leser?

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